Heute gehen wir an den Anfang der uns überlieferten europäischen Musik – um die 1200 Jahre zurück! Vermutlich haben Menschen zwar schon immer in irgendeiner Weise musiziert, wie die Funde von frühen Musikinstrumenten belegen. Aber erst seit dem frühen Mittelalter ist uns Musik in Form von Texten und Noten überliefert. Es handelt sich um geistliche Musik aus der alltäglichen liturgischen Praxis an Klöstern, wo die stündlichen Gebete vertont wurden.
Dabei müssen wir wissen, dass die sakralen Gesänge damals einstimmig waren – mehrstimmige Musik, die es im weltlichen Bereich schon gab, war anfangs nicht zugelassen. Das heißt, dass der gesamte Ausdruck in die Melodie, das rhythmische Auf und Ab der Töne, gelegt wurde. Wir müssen ganz zur Ruhe kommen und uns öffnen, um diesen Ausdruck nachempfinden zu können – allzu schnell werden die frühmittelalterlichen Choräle als langweilig weggewischt.
Am heutigen Pfingstfest hören wir auf der Klassikliste das Pfingstgebet Veni creator spiritus, das sich direkt an den Heiligen Geist wendet. Der Gebetstext stammt vermutlich von dem berühmten Abt Hrabanus Maurus (780–856) aus dem Kloster Fulda, die Vertonung geht auf Guillaume Dufay zurück. In der Aufnahme singen – unter dem Künstlernamen The Cistercian Monks of Stift Heiligenkreuz – die Mönche der Choralschola des niederösterreichischen Klosters Stift Heiligenkreuz. Uralte Musik aus einem vergangenen Zeitalter!
