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Heute vor 132 Jah­ren, am 4. Sep­tem­ber 1890, saß Hugo Wolf (1860–1903) am Kla­vier und kom­po­­nier­te – er orches­trier­te zwei seiner Mörike-Lie­der, siehe #94. Denn im aus­gehen­den 19. Jahr­hun­dert wurde es Mode, dass in Or­ches­ter­kon­zer­ten die bis­her üb­lichen Opern­ari­en durch Or­ches­ter­fas­sun­gen von Lie­dern er­setzt wur­den. Und mit den Arrange­ments von eige­nen Lie­dern ließ sich na­tür­lich auch etwas Geld ver­die­nen. So ent­stand eine neue Gat­tung, das Or­ches­ter­lied, das später be­sonders Mahler und Strauss zur Blüte führ­ten.
Hören wir auf der Klassik­liste heute eines der Lie­der, für das Wolf eine Or­ches­ter­fas­sung er­stell­te: „Gebet“ nach einem Ge­dicht von Edu­ard Möri­ke:

Herr, schicke was du willt,
Ein Liebes oder Leides;
ich bin vergnügt, daß beides
aus Deinen Händen quillt.

Wollest mit Freuden
und wollest mit Leiden
mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten,
liegt holdes Bescheiden.

Ein herr­liches Lied, nicht wahr? Es singt der Bariton Ben­ja­min Appl, be­glei­tet von der Je­na­er Phil­har­mo­nie unter Lei­tung von Si­mon Gau­denz. Die CD ist im Mai dieses Jah­res er­schie­nen.

Heute kommen wir zu einem klei­nen Edel­stein: Hugo Wolf (1860–1903) war ein öster­reichi­scher Kom­po­nist. Er wurde heu­te vor 162 Jah­ren in Win­disch­grätz, dem heu­ti­gen Slo­venj Gra­dec in Slo­we­ni­en, ge­bo­ren. Nach ei­nem Ver­such als Hilfs­kapell­meis­ter schlug er sich als Musik­kriti­ker und Kom­po­nist durchs Leben, blieb aber ohne fes­tes Ein­kom­men und war auf die Unter­stüt­zung von Freun­den an­ge­wie­sen. Er starb mit 43 an den Fol­gen einer da­mals ver­brei­te­ten In­fek­tions­krank­heit. Wolf ist heute vor allem als Kom­po­nist von Lie­dern be­kannt. So hat er 1888 zum Bei­spiel zahl­reiche Lie­der des schwä­bi­schen Dich­ters Edu­ard Möri­ke (1804–75) ver­tont.
Hören wir auf der heu­ti­gen Klassik­liste aus Wolfs Mörike-Lie­dern Der Gärtner, in dem das lyri­sche Ich eine vor­­bei­rei­ten­de Prin­zes­sin sieht und für ei­ne Fe­der an ihrem Hut al­le Blü­ten sei­nes Gar­tens ein­tau­schen wür­de. Es musi­zieren zwei der größten Musi­ker ihres Fachs: Der Bari­ton Die­trich Fischer-Dies­kau (1925–2012) wird be­glei­tet von Gerald Moore (1899–1987), dem legen­dä­ren Lied­be­glei­ter, der al­le großen Lied­sänger des 20. Jahr­hunderts be­glei­tet hat und der heute vor 35 Jahren ver­starb. Bei­de haben vor 50 Jahren fast alle der 600 Lie­der Schu­berts auf­genommen. Sie werden uns noch ei­ni­ge Male wieder­be­ge­gnen.