Am heutigen Todestag von Franz Schubert (1797–1828) wenden wir uns seinem letzten Werk zu, der Klaviersonate B-Dur D 960. Schubert vollendete die Sonate am 26. September 1828 und spielte sie vermutlich zwei Tage später bei einer Abendveranstaltung in Wien vor. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich darauf, und Schubert starb heute vor 195 Jahren, siehe #36. Im 19. Jahrhundert galt sein Klavierwerk als unbedeutend, es wurde von Beethoven überstrahlt. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man die Sonaten Schuberts langsam wieder und erkannte ihre Bedeutung. Im Gegensatz zu Beethoven stellt Schubert nicht den Kontrast zweier Themen und die folgende thematische Arbeit ins Zentrum, er lässt der melodischen und harmonischen Phantasie mehr Raum und entwickelt die Themen über die Sätze hinweg fort. Die letzte Klaviersonate B-Dur zählt heute „zu den großen musikalischen Vermächtnissen, den Kunstwerken von menschlichem Rang“ (Harenberg Klavierführer). Der langsame 2. Satz Andante sostenuto gilt demnach „für die meisten Verehrer als das Erhabenste, was Schubert geschaffen hat“.
Hören wir heute auf der Klassikliste den wunderbaren 2. Satz der Klaviersonate B-Dur D 960 von Franz Schubert. Es spielt der große ungarische Pianist Géza Anda (1921–76), der heute vor 102 Jahren in Budapest geboren wurde. Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Sonate.
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Schon zwei Generationen vor Boccherini ging ein anderer italienischer Komponist nach Portugal und Spanien. Es war Domenico Scarlatti (1685–1757), Zeitgenosse Vivaldis, Händels und Bachs. Er war das sechste von zehn Kindern des neapolitanischen Opernkomponisten Alessandro Scarlatti. Mit 34 Jahren wurde er in Lissabon Hofkapellmeister des portugiesischen Königs Dom João V. und war dort für die geistliche und weltliche Musik zuständig. Unter anderem wurde er Musiklehrer der hochtalentierten Prinzessin Maria Bárbara (1711–1758), der er an den spanischen Hof folgte, als sie 1729 den spanischen Thronfolger und späteren König Fernando VI. heiratete.
Neben vielem anderen komponierte Scarlatti für seine Schülerin 555 Klavierstücke, die er als Essercizi dt. Übungen bezeichnete, die heute aber Sonaten genannt werden. Von iberischer Volksmusik beeinflusst, sind sie melodisch, harmonisch und rhythmisch enorm vielfältig – ein gewaltiges Werk und ein wahrer Kosmos an Einfallsreichtum und menschlicher Empfindung. Durch ihre Zweiteiligkeit, die motivische Arbeit und die Modulationen gelten Scarlattis Sonaten als Vorläufer der Klaviersonate. In ihr gibt es schon ein empfindsames Individuum, womit sie über das Barock hinaus in die Klassik vorausweisen. Früher als virtuose Zugaben gebaucht, gehören sie heute zum festen Repertoire vieler Pianisten.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste eine der schönsten und bekanntesten Sonaten Scarlattis, die Sonate D-Dur K. 491, am Klavier der große Pianist Murray Perahia (geb. 1947), der einer sephardischen Familie entstammt, dessen jüdische Vorfahren also eben aus Portugal und Spanien vertrieben wurden. Auf der Ergänzungsliste gibt es dieselbe Sonate, die Trevor Pinnock auf einem Cembalo spielt, denn zu Scarlattis Lebzeiten gab es ja noch keine Klaviere.
Scarlatti ist ein Lieblingskomponist von mir. Seiner wundervollen Musik könnte ihr ewig zuhören.
Bodo Wartkes Jazzimprovisation in den Klaviersdelikten liegt die berühmte Sonata facile KV 545 von Mozart zugrunde, die ich heute in der Originalversion präsentiere. Es ist eine kleine, bescheidene Klaviersonate – vollkommen klassisch angelegt –, deren Reiz und deren Größe gerade in ihrer Schlichtheit liegt. Technisch ist sie einfach – Sonata facile heißt ja einfache Sonate –, für einen Pianisten eine bloße Fingerübung, aber musikalisch ist sie nicht einfach, weil man sie ganz schlicht spielen muss und nichts dazumachen darf.
Auf der Klassikliste hören wir den österreichischen Pianisten Friedrich Gulda (1930–2000), der ein bedeutender Mozart-Interpret war. Das erkennt man z. B. daran, dass er die Skalen zwischen dem 1. und 2. Thema nicht hoch- und runterleiert, wie man es so oft hört, sondern „mit Sinn“ erfüllt. Gulda war ein genialer und zugleich extrem eigenwilliger Pianist, der auch gejazzt hat, großartig improvisieren konnte und über ein unfassbares Gedächtnis verfügte. Mozart hätte an der Jazzimprovisation übrigens seine helle Freude gehabt –, und wenn er anwesend gewesen wäre, hätte er Bodo womöglich vom Klavier gestoßen und es noch viel, viel bunter getrieben, denn er soll in Abendgesellschaften am Klavier allerhand Schabernack gemacht haben.
Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Sonate.
