Georg Friedrich Händel (1685–1759), den wir schon in #113 kennengelernt haben, war in London als Opernkomponist überaus erfolgreich. Er komponierte 42 Opern und gründete sogar ein Opernunternehmen. Als der Erfolg später ausblieb, komponierte Händel vermehrt Oratorien, darunter den berühmten Messias, zumeist aber waren es Themen aus dem Alten Testament. Heute vor 275 Jahren, am Montag, den 17. März 1749, wurde im Theatre Royal im Londoner Covent Garden Händels Oratorium Solomon uraufgeführt, in dem das weise Urteil von König Salomon im Zentrum steht. Der Bibel zufolge reist die Königin von Saba nach Jerusalem, ist überwältigt und schenkt Salomon Gold und Edelsteine.
Hören wir vom Beginn des 3. Akts aus Solomon von Georg Friedrich Händel die berühmte Sinfony mit dem Titel Ankunft der Königin von Saba. Es spielen die English Baroque Soloists unter Leitung von John Eliot Gardiner.
Diese Melodie ist anlässlich der Olympiade 2012 in London nochmals bekannt geworden. Bei der Eröffnungsfeier wurde ein Videoclip gezeigt, in dem der Geheimagent James Bond fiktiv Queen Elisabeth II. im Buckingham Palace abholt, mit dem Hubschrauber zum Stadion fliegt, über dem sie dann mit dem Fallschirm abspringt – und kurz darauf im selben Kleid im Stadion erscheint. Zu Beginn des Videoclips war die Ankunft der Königin von Saba zu hören:
https://www.youtube.com/watch?v=1AS-dCdYZbo
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Heute vor 154 Jahren war Karfreitag. Im Bremer Dom leitete Johannes Brahms am 10. April 1868 die Uraufführung eines Werks, an dem er über sieben Jahre hinweg gearbeitet hatte: 1861 stellte er Textstellen aus der Bibel in der Übersetzung Martin Luthers zusammen, die er darauf in mehreren Phasen vertonte. So entstand Ein deutsches Requiem nach Worten der Heiligen Schrift für Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester op. 45. Es ist ein Werk im protestantischen Geist, in dem der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt steht. Ursprünglich ist ein Requiem eine katholische Totenmesse in lateinischer Sprache für die verstorbenen Seelen, siehe #80. Insofern zählt Brahms’ Werk weniger zur Gattung Requiem als vielmehr zur evangelischen Mottete.
Die Aufführung in Bremen geriet „zu einem überwältigenden Triumph. Mehr als zweitausend Zuhörer waren anwesend, darunter viele der bedeutendsten Köpfe des deutschen Musiklebens“ (Martin Ennis). Damit gelang dem 35-jährigen Johannes Brahms (1833–97) schlagartig der Durchbruch. Seine Freundin Clara Schumann (1819–96) schrieb ihm, „daß ich ganz und gar erfüllt bin von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig anderes.“ Und der Musikkritiker Eduard Hanslick schrieb: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ deutsches Requiem zu stellen vermag.“
Hören wir auf der Klassikliste den 2. Satz in b-Moll: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“. Es singt der Monteverdi Choir in Begleitung des Orchestre Révolutionnaire et Romantique unter Leitung von John Eliot Gardiner. Auf der Ergänzungsliste ist das gewaltige Werk vollständig zu hören.
Wir kommen heute zu einer Oper, die nicht jeder kennt, und zwar zur Entführung aus dem Serail KV 384 aus dem Jahre 1782 von Wolfgang Amadé Mozart – so hat er sich zeitlebens genannt. Die Oper hat eine ganz ähnliche Handlung wie die Zauberflöte, ein ähnliches Personal, fantastische Musik mit wunderbaren Arien und ist genauso hörenswert wie die Zauberflöte. Ich habe sie vor Jahren mal in Stuttgart in der Oper gesehen und auch in einer konzertanten Aufführung in der Liederhalle gehört, bin mir aber nicht sicher, ob meine Frau da schon dabei war.
Auf der Klassikliste gibt das Finale „Nie werd ich Deine Huld verkennen“, in dem der Spanier Belmonte sich beim osmanischen Bassa Selim dafür bedankt, dass er ihm seine Geliebte Konstanze freigibt. Die mitreißende Ouvertüre findet sich auf der Ergänzungsliste.
Zu hören sind die English Baroque Soloists unter Leitung von John Eliot Gardiner, die ich zusammen in Stuttgart auch mal live gehört habe. Das Orchester spielt ausschließlich auf „alten“ Instrumenten aus der damaligen Zeit mit der damaligen Spieltechnik, womit die Musik so ähnlich klingen dürfte wie zu Mozarts Zeiten. Gardiner hat sich auf die sog. historische Aufführungspraxis spezialisiert. Ich schätze ihn als Dirigenten außerordentlich, er ist einer meiner Lieblingsdirigenten, und ich habe viele CDs von ihm, so dass hier noch einiges von ihm zu hören sein wird.
