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Der fran­zö­si­sche Kom­po­nist Paul Dukas (1865–1935) ist in erster Li­nie für ein ein­zi­ges Stück be­kannt, und das ist ein wahrer Genie­streich: die Ver­tonung von Goethes be­rühm­ter Bal­lade „Der Zauber­lehr­ling“, in der ein Lehr­ling – als der „alte Hexen­meister“ außer Hau­se ist – seine Zauber­künste er­probt und großes Un­heil an­rich­tet. Er be­fiehlt einem Be­sen, mit einem Ei­mer Was­ser zu ho­len, hat aber die For­mel ver­ges­sen, um den Vor­gang wie­der zu be­en­den. Selbst als er den Be­sen mit ei­nem Beil in zwei Stücke hackt, lau­fen „beide Teile“ fort und ho­len Was­ser. Dukas’ „L’Apprenti sorcier“ ist ein feu­ri­ges Ge­mälde von Klang­farben und gilt als Meister­werk der Or­ches­trie­rung. Man hört, wie die Besen auf­stehen, wie das Was­ser „im Saal und auf den Stu­fen“ läuft und wie der Meister zurück­kehrt und dem Be­sen Ein­halt ge­bie­tet. Auch wenn das Werk oft als Orchester­scherzo be­zeich­net wird, ist es eine sin­fo­ni­sche Dich­tung. Ich habe es im Leistungs­kurs Musik als Muster­beispiel für Pro­gramm­musik kennen­ge­lernt.
Paul Dukas hat wie viele andere am Pariser Kon­ser­va­to­rium stu­diert und war später dort selbst Pro­fes­sor für Kom­po­si­tion. Er hat lei­der viele seiner Werke ver­nich­tet, wenn er mit ihnen nicht zu­frie­den war – so­gar eine ganze Sin­fonie –, so dass die Zahl der über­lie­fer­ten Wer­ke ge­ring ist. Heute jährt sich Dukas’ Ge­burts­tag zum 158. Male.
Hören wir ihm zu Ehren auf der Klassik­liste seinen „Zauber­lehr­ling“. Es spie­len die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker unter Lei­tung James Levine.

Heute vor 190 Jahren ist Carl Fried­rich Zel­ter (1758–1832) in Ber­lin ge­stor­ben. Zel­ter war da­mals, was wir heu­te Musik­mana­ger nen­nen wür­den: Musi­ker, Pro­fes­sor, Musik­päd­ago­ge, Kom­po­nist, Kon­zert­ver­anstal­ter und Diri­gent. Er hat als Di­rek­tor die Sing-Aka­de­mie zu Ber­lin ge­lei­tet, einen großen ge­misch­ten Chor, ließ ein Kon­zert­haus für sie bauen, hat eine Or­ches­ter-Schule und die Lieder­tafel ge­grün­det, den welt­weit ers­ten Männer­chor, und war Leh­rer von Fanny und Felix Mendels­sohn Bar­thol­dy. Er hat Sin­fo­nien, Kan­ta­ten, Motet­ten, Chor­musi­ken und Lie­der kom­po­niert, wo­von aus­ge­rech­net „Der Kuckuck und der Esel“ sein be­kann­tes­tes sein dürf­te.

1802 lernte er in Wei­mar Johann Wolf­gang von Goethe ken­nen. Sie wur­den im Lau­fe der Zeit enge Freun­de, be­such­ten einan­der und wechsel­ten in 30 Jahren über 900 Brie­fe. Goethe schick­te ihm man­che seiner Ge­dich­te, Zel­ter ver­ton­te sie, und Goethe fand da­rin den Cha­rak­ter sei­ner Ge­dich­te ge­nau ge­trof­fen – an­ders als bei den Ver­to­nun­gen Schu­berts, die er ab­lehn­te. Nach einem schwe­ren Schick­sals­schlag bot ihm Goethe sogar das Du an. Als Goethe starb, war auch Zel­ters Lebens­wil­le da­hin, er starb nur we­ni­ge Wo­chen nach seinem Freund.

Hören wir auf der heu­ti­gen Klassik­liste das Frühlings­lied „Gleich und gleich“ von Goethe in der Ver­to­nung von Carl Fried­rich Zel­ter. Der Text soll die gött­li­che Har­mo­nie in der Natur aus­drücken und ab­sicht­lich naiv wir­ken:

Ein Blumenglöckchen
vom Boden hervor
war früh gesprosset
in lieblichem Flor;

Da kam ein Bienchen
und naschte fein: –
die müssen wohl beide
füreinander sein.

Dietrich Fischer-Dieskau singt dieses kurze Lied wahr­haft meister­lich, am Hammer­flügel be­glei­tet von Ari­bert Rei­mann.