Heute vor 570 Jahren, am Heiligen Abend des Jahres 1453, ist der bedeutende englische Komponist John Dunstable in London gestorben (ca. 1390–1453). Wir haben kein Bildnis von ihm und wissen fast nichts über ihn, aber auf seiner Grabplatte steht, dass hier der liege, „der den Himmel in seiner Brust umschlossen hat, John Dunstaple, der Verbündete der Sterne.“
Aus heutiger Sicht stand er an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance und hat der Musik durch seine Innovationen sehr wichtige Impulse gegeben. Während im Mittelalter melodische Linien vorherrschen, entstehen später durch polyphone Schichtung Akkorde. Und während im Mittelalter reine Quint-Oktav-Klänge das harmonische Gefüge bestimmen, kommen in der frühen Renaissance die weichen Terzen und Sexten hinzu. Und bei Dunstable treten nicht nur Terzen hinzu, sondern auch die Quinten, so dass etwas Neues entsteht – Dreiklänge! Er trägt damit einerseits zur Entwicklung der Dreiklangsharmonik bei, verwendet andererseits immer wieder auch gezielt Dissonanzen.
Hören wir auf der Klassikliste das Credo aus der Messe Jesu Christe Fili Dei von John Dunstable. Es singt das englische Vokalensemble Tonus Peregrinus unter der Leitung von Antony Pitts (geb. 1969). Höchst bemerkenswerte Musik aus einer völlig anderen Zeit, in der die Menschen Zeit zu haben scheinen – bitte einfach einmal in Ruhe zuhören, wie die Musik geordnet und zugleich frei dahinzieht!
