Nach dem Impromptu von Schubert folgt heute eines von Frédéric Chopin (1810–49), der vier Impromptus komponiert hat. Das Impromptu Nr. 4 cis-Moll op. 66, das letzte, stammt von 1839. Chopin wollte nicht, dass es zu seinen Lebzeiten veröffentlicht würde. So erschien es erst 1855 sechs Jahre nach seinem Tode und bekam den Titel Fantasie-Impromptu, vermutlich war das damals werbewirksamer. Auf der Klassikliste hören wir es heute in einer Einspielung des russischen Star-Pianisten Daniil Trifonov (geb. 1991).
Übrigens wurde dieses Stück heute im Neujahrskonzert der Musikschule von einer Schülerin ganz wunderbar vorgetragen.
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Da Chopin (1810–49) viele Jahre in Paris gelebt hat, wird sein Name oft französisch Frédéric Chopin geschrieben und gesprochen. Dort hat er 1842, also vor 180 Jahren, auch jenes Klavierwerk geschrieben, das heute als eines seiner bedeutendsten gilt: die Polonaise As-Dur op. 53, eine äußerst schwierige, kunstvolle Konzertversion eines polnischen Volkstanzes, welche später den Beinamen „Héroïque“, die Heroische, erhalten hat. Sie trägt nämlich die Vortragsbezeichnung Maestoso, und es ist eine große Kunst, dieses Maestoso musikalisch auszugestalten, ohne wild auf dem Flügel „herumzuhämmern“.
In fabelhafter Weise gelingt dies dem großen russischen Pianisten Jewgeni Kissin (geb. 1971), der seit 1991 in London, Paris und New York lebt und der am 27. März 2022 beim Solidaritätskonzert des Bundespräsidenten „Für Frieden und Freiheit“ (siehe #96) eben jene Polonaise spielte. Er spielt sie auch in seinen aktuellen Konzerten, und so gibt es auf seiner neuen CD, die zum 2. September angekündigt ist, eine neue Aufnahme von ihr.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir also die Polonaise As-Dur op. 53 von Frédéric Chopin, gespielt von Jewgeni Kissin in einer frühen Live-Aufnahme.
Beim letzten Mal haben wir zwei gebürtige Ungarn gehört, heute beschäftigen wir uns mit zwei polnischen Pianisten: Fryderyk Franciszek Chopin (1810–1849) war eineinhalb Jahre älter als Liszt, starb aber schon mit 39 Jahren an den Folgen von Tuberkulose. Auch er war ein großer Klaviervirtuose – er galt als Wunderkind –, der durch ganz Europa reiste und Konzerte gab. Aber Chopin war viel zurückhaltender, er spielte eher leise, in sich gekehrt und mied das große, anonyme Publikum. Eine Zeitgenössin notierte, dass es selten vorkam, „dass er die gleiche Komposition identisch spielte“. Er komponierte um die 230 Werke, fast ausschließlich für Klavier: Etüden, Mazurkas, Nocturnes, Polonaisen, Préludes, Walzer usw. In der zweiten Lebenshälfte lebte er überwiegend in Paris, weshalb er meist Frédéric Chopin genannt wird.
Da sie unser Sohn gerade übt, hören wir heute auf der Klassikliste die Mazurka B-Dur op. 7 Nr. 1. Eine Mazurka ist ein stilisierter polnischer Tanz im mäßigen Dreiertakt. Am Flügel hören wir den berühmten Artur Rubinstein (1887–1982), ebenfalls in Polen geboren. Er gilt als der Universalpianist des 20. Jahrhunderts. Er verfügte über ein phänomenales musikalisches Gedächtnis, das es ihm erlaubte, die gespielten Stücke im Konzert spontan auszuwählen und anzusagen. Wegen der Greueltaten der deutschen Soldaten trat ab 1914 nicht mehr Deutschland auf, nach der Ermordung fast seiner ganzen jüdischen Familie durch die Nationalsozialisten schon gar nicht mehr. In seinem langen Leben gab er über 6000 Konzerte, seine Aufnahmen füllen 142 CDs.
