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Michail Pletnev (geb. 1957) ist einer der bedeutendsten Pianisten und Dirigenten der Gegenwart, der auf der ganzen Welt gefeiert wird. Er spricht zehn Sprachen und kann einfach alles spielen, und immer mit Herz und Sinn – fantatisch! Aus der berühmten „Russischen Schule“ stammend, die Mutter selbst Pianistin, konnte er früh alles Nötige lernen. Mit 21 Jahren hat er den 1. Preis beim renommierten Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau gewonnen, der alle vier Jahre ausgetragen wird, wobei der 1. Preis nicht immer vergeben wird.
Später hat er sich auch dem Dirigieren zugewandt und 1990 in Moskau ein politisch unabhängiges Orchester gegründet, mit dem er zahlreiche ausgezeichnete Einspielungen gemacht hat. Seit dem Krieg kann er mit seinem Orchester nicht mehr arbeiten. Inzwischen hat mit dem Rachmaninoff International Orchester einen neuen Klangköper gegründet, in dem russische, ukrainische und andere ost- und mitteleuropäische Musiker spielen. In einem seiner seltenen Interviews hat er gesagt: „Aber Putin ist nicht der Grund für das Problem, sondern die Folge. Das Problem ist, dass Russland seinen Weg zur Demokratie noch nicht gemacht hat.“
Hören wir heute auf der Klassikliste den „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ op. 65 Nr. 6 von Edvard Grieg (1843–1907), den un­ser Sohn gerade täglich übt. Von zahllosen anderen Einspielungen hat Pletnev das Tempo für meinen Geschmack am besten getroffen. Troldhaugen hieß übrigens Griegs Wohnhaus südlich von Bergen in Norwegen, in dem sich heute ein Grieg-Museum befindet.

Edvard Grieg (1843–1907) war ein nor­wegischer Pia­nist und Kom­po­nist der Roman­tik. Er hat in allen Lebens­phasen Lyrische Stücke für Kla­vier ge­schrieben – ins­gesamt 66 klei­ne, tief­gründige Minia­turen. Bei unserer Klavier­lehr­erin haben ver­mut­lich alle Kinder ein Stück von ihm ge­spielt, man­che Melo­dien sind sehr be­kannt. Unser jüngs­ter Sohn übt ge­rade den Walzer aus op. 12 von ihm, den ich heute auf die Klassik­liste stelle.
Russ­land hat als ein Land mit einer inni­gen Be­ziehung zur Musik zu allen Zei­ten her­vor­ragende Musiker her­vor­ge­bracht. Die drei größ­ten sowje­ti­schen Pianis­ten aus der ersten Hälfte des 20. Jahr­hunderts sind Vla­dimir Horo­witz (1903–1989), Sviatos­law Richter (1915–1997) und Emil Gilels (1916–1985) – drei Gigan­ten am Kla­vier, die prak­tisch das ge­samte Reper­toire ge­spielt haben. Ich habe in den letz­ten Jahren den freund­lichen und fast schüch­ter­nen Richter über­aus schätzen ge­lernt, weil er die Musik ganz in ihrem Kern be­greift.
Er spielt den Walzer op. 12 Nr. 2 etwas lang­samer als andere, aber tief empfun­den. Auf der Er­gänzungs­liste findet sich An den Früh­ling op. 43 Nr. 6, den unsere äl­tes­te Toch­ter ge­spielt hat, und den sehr be­kannten Hoch­zeits­tag auf Trold­haugen op. 65 Nr. 6.