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Das Kunst­lied „Der Linden­baum“ ist erst durch eine Be­ar­bei­tung so be­kannt und popu­lär ge­wor­den. Frie­drich Sil­cher (1789–1860), der erste Musik­direk­tor der Eber­hard-Karls-Universi­tät Tübin­gen, hat für un­zäh­li­ge Lie­der Chor­sätze ge­schrie­ben, die zum Stan­dard­reper­toire vie­ler Gesang­­verei­ne und in den fol­gen­den Gene­ra­tio­nen so zum All­gemein­gut ge­wor­den sind, dass sie heute als „Volks­lieder“ an­gese­hen wer­den – ob­wohl es kei­ne „Volks­weisen“, sondern „künst­le­rische Schöpfun­gen“ sind. Da­her gilt Silcher „als einer der wich­tig­sten Prota­go­nis­ten des Chor­ge­sangs“ (Wiki­pe­dia).
Beim Chor­satz „Am Brun­nen vor dem Tore“ hat Silcher den Cha­rak­ter des Volks­tüm­li­chen durch ver­schie­de­ne Ver­ein­fachun­gen er­zielt, die aber auch als Nivel­lie­rung und „Ein­dimen­sio­nali­sie­rung“ des Schu­bert­schen Ori­gi­nals kri­ti­siert wur­den. Auf der Klassik­liste hören wir Die Sing­pho­ni­ker, ein viel­fach aus­ge­zeich­ne­tes Vokal­ensem­ble, das seit 1982 auf höch­stem Ni­veau A-cappella-Musik aus acht Jahr­hun­der­ten singt – bis hin zu Pop-Musik.
Da ge­rade Vokal­musik wie­der in ist – Bodo Wart­ke, Penta­to­nix, Wise Guys, Al­te Be­kannte –, habe ich von den Sing­pho­ni­kern ein paar Songs von Simon & Garfunkel und den Come­dian Har­mo­nists auf die Ergänzungs­liste gestellt. Viel Ver­gnügen!

Franz Schubert (1797–1828) ist lei­der nur 31 Jahre alt ge­wor­den, er starb ver­mut­lich an Typhus, einer In­fekt­ions­krank­heit, die man da­mals Nerven­fie­ber nannte. In sei­ner kur­zen Lebens­zeit hat er un­glaub­lich viel kom­po­niert. Welt­be­kannt sind sei­ne Lie­der, denn Schu­bert hat um die 600 Ge­dich­te ver­tont – ei­nen gan­zen Kos­mos mensch­licher Em­pfin­dungen – und da­mit auf ro­man­ti­sche Wei­se Lyrik und Musik ver­bun­den. Die­se Gat­tung wird Kunst­lied und im Aus­land so­gar Lied ge­nannt. Solche Lie­der hat Schu­bert im Freundes­kreis zur Unter­hal­tung vor­ge­spielt und selbst ge­sun­gen.
Be­stimm­te Lie­der hat Schu­bert in einem Lieder­zyklus zu­sammen­ge­fasst. Der be­deutend­ste da­von ist die „Die Winter­reise“, die aus 24 trau­ri­gen Lie­der über den Win­ter, die Ein­sam­keit und den Tod be­steht. Auf der Klassik­liste hören wir heu­te da­raus die Nr. 5 „Der Linden­baum“ auf ein Ge­dicht von Wil­helm Müller (1794–1827) mit dem be­rühm­ten ers­ten Vers „Am Brun­nen vor dem Tore“. Vor dem Hinter­grund eines Linden­baums setzt sich da­rin ein lyri­sches Ich mit seiner Todes­sehn­sucht aus­einan­der. Die­ses typisch roman­ti­sche Ge­dicht soll­te man im Deutsch­unter­richt ein­mal be­handelt haben.
Es singt Christian Ger­ha­her, der als bester Bari­ton der Gegen­wart gilt, am Kla­vier be­glei­tet Ge­rold Hu­ber.