Beiträge

Vor 130 Jah­ren, am 13. Novem­ber 1892, wie heu­te ein Sonn­tag, fand im Großen Musik­ver­eins­saal in Wien, der als einer der bes­ten Kon­zert­säle der Welt gilt, ein Ge­sell­schafts­kon­zert statt. Da­rin wurde von An­ton Bruck­ner (1824–96) eine monu­men­ta­le Ver­to­nung des 150. Psalms ur­auf­ge­führt, die der Kom­po­nist als seine „aller­bes­te Fest-Can­ta­te“ be­zeich­ne­te. Der Text lau­tet:

1 Halleluja! Lobet Gott in seinem Heilig­tum, lo­bet ihn in der Fes­te sei­ner Macht! 2 Lo­bet ihn für sei­ne Ta­ten, lo­bet ihn in sei­ner großen Herr­lich­keit! 3 Lo­bet ihn mit Po­sau­nen, lo­bet ihn mit Psal­ter und Har­fen! 4 Lobet ihn mit Pau­ken und Rei­gen, lo­bet ihn mit Sai­ten und Pfei­fen! 5 Lobet ihn mit hel­len Zim­beln, lo­bet ihn mit klin­gen­den Zim­beln! 6 Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Hal­le­lu­ja!

Der letz­te Vers wird nicht nur mit einem Sopran-Solo be­dacht, son­dern auch in einer großen Schluss­fuge aus­ge­stal­tet.
Hö­ren wir auf der Klassi­kliste heu­te den Chi­ca­go Sym­phony Chorus, be­glei­tet vom Chi­ca­go Sym­phony Or­ches­tra. Das Solo singt die So­pra­nis­tin Ruth Wel­ting. Die Lei­tung hat Da­ni­el Baren­boim, der übri­gens über­morgen seinen 80. Geburts­tag fei­ert.

Seit über 35 Jah­ren höre ich nun inten­siv klassi­sche Musik, aber noch nie habe ich das Violin­kon­zert des finni­schen Kom­po­nis­ten Jean Sibe­li­us ge­hört. Erst als vor eini­gen Wochen ein Kol­le­ge von einem Kon­zert­be­such schwärm­te, habe ich mal mei­ne Samm­lung durch­fors­tet – und gleich drei Auf­nahme ge­fun­den. Es ist groß­arti­ge Musik, ein spät­roman­ti­sches Werk mit emo­tio­nal weit ge­spann­ten Bögen! Bei der Ur­auf­füh­rung 1904 in Hel­sin­ki fiel es beim Pub­li­kum zu­nächst durch, ver­mut­lich weil der Solist ihm tech­nisch nicht ge­wach­sen war. Erst als es die großen Gei­ger des be­gin­nen­­den 20. Jahr­hun­derts – Jascha Hei­fetz und David Oi­strach – spiel­ten, setz­te es sich durch und fand Auf­nahme ins heu­tige Stan­dard­reper­toire.
Hören wir auf der Klassik­liste den über­schäu­men­den Final­satz des Violin­konzerts d-Moll op. 47 von Jean Si­be­li­us (1865–1957). Es spielt die fan­tas­ti­sche geor­gi­sche Gei­ge­rin Lisa Ba­ti­ash­vi­li (geb. 1979), die seit vielen Jahren in Mün­chen lebt. Be­glei­tet wird sie von der Staats­kapelle Ber­lin, dem Or­ches­ter der Staats­oper unter den Lin­den, unter Lei­tung von Daniel Baren­boim. Auf der Ergänzungs­liste gibt es das ge­samte Kon­zert – 30 Minu­ten sehr hörens­wer­te Musik. Also: Es gibt immer et­was zu ent­decken!

Wir bleiben beim Cello und hören den 3. Satz aus der Grande Sonate pour Piano­forte et Violon­celle op. 69 in A-Dur von Lud­wig van Beet­­hoven, die dieser 1807/08 für seinen Be­kannten, den Frei­herrn von Gleichen­stein, ge­schrieben hat. Der Satz beginnt mit 18 lang­samen Takten als Adagio cantabile und geht dann in ein strah­lendes, mit­reißendes Allegro vivace über.
Ich habe für die Klassik­liste eine fast genau 50 Jahre alte Live-Aufnahme ausgewählt, die am 25./26. August 1970 auf dem Edinburgh-Festival entstand. Am Cello die 25-jährige Britin Jacque­line du Pré (1945–87), von der es heißt, dass sie als Vier­jährige im Radio ein Cello gehört und zu ihrer Mutter gesagt habe, dass sie „auch so eins haben will“. Sie wurde zu einer der besten Cellis­ten des 20. Jahr­­hunderts. Sie wird für ihr leiden­schaft­liches Cello­spiel und ihren fantas­tischen Bogen­strich ge­schätzt. Am Klavier der argen­tinisch-israe­lische Pia­nist und Diri­gent Daniel Baren­boim (geb. 1942), der noch heute regel­mäßig mit den Berliner Phil­harmo­nikern auftritt. Die beiden hatten drei Jahre zuvor ge­heiratet und waren das um­ju­bel­te Traum­paar der da­maligen Klassik-Szene. Leider er­krankte Jacque­line an Multipler Sklerose, musste 1973 das Cello­spielen auf­hören und starb trauriger­weise 1987 mit nur 42 Jahren.
Auf der Ergänzungs­liste kann man die ge­samte Cello-Sonate hören, und zwar als Studio-Aufnahme in einer besseren Qualität (ohne Rauschen). Es spielen ebenfalls zwei Ausnahme-Künstler: Am Klavier einer der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts, Sviatoslaw Richter (1915–1997), und am Cello Mstislaw Rostropowitsch (1927–2007), einem Lehrer von du Pré, der als einer der be­deutend­­sten Cellis­ten der Ge­schichte gilt. Viel Vergnügen!