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Wir bei­ben bei Schu­bert, wechseln aber die Per­spek­tive: Heute vor 53 Jahren ist in den USA George Szell (1897–1970) ge­stor­ben, einer der un­be­strit­ten besten Diri­gen­ten des 20. Jahr­hunderts. Szell wurde in Buda­pest ge­bo­ren. Als seine Eltern nach Wien zo­gen, er­hielt er her­vor­ragen­den Klavier­­unter­richt, und schon als 10-Jähri­ger trat er mit einem Klavier­kon­zert von Mo­zart öffent­lich auf. Als Jugend­licher lei­te­te er be­reits Orches­ter, mit 18 Jahren wurde er Re­pe­ti­tor an der König­lichen Oper in Ber­lin, mit 20 Jahren er­hielt er eine An­stellung an der Oper in Straß­burg. Es folg­ten An­ge­bote aus der hal­ben Welt, und seine inter­natio­nale Karrie­re als Diri­gent nahm ihren Lauf. Ob­wohl seine jüdi­schen Eltern früh zum Katho­li­zi­smus kon­ver­tiert waren, schütz­te sie das nicht vor der Ver­fol­gung und letz­lich der Er­mor­dung durch die National­sozia­lis­ten. Grauen­haft! Szell emi­grier­te 1939 in die USA, wo er schon früher Gast­auf­trit­te ge­ge­ben hat­te. Nach dem Krieg wurde er 1946 Chef­diri­gent des Cleve­land Orches­tra, das er zu einem der besten Sinfonie­orches­ter der Welt form­te und mit dem er hervor­ragende Auf­nahmen ein­spiel­te. Manche da­von gel­ten noch heute als Referenz­auf­nahmen. Szell war Per­fek­tio­nist und for­der­te je­des De­tail von den Musi­kern mit großer Stren­ge ein. Dabei soll er über­ragen­de hand­werk­liche Fähig­kei­ten be­ses­sen ha­ben. Ein Zitat von ihm lau­tet: „Con­ductors must give un­mistakable and sug­ges­tive sig­nals to the orches­tra – not choreo­graphy to the audi­ence.“
Hören ihm zu Ehren auf der Klassik­liste ei­ne sei­ner letz­ten Auf­nahmen: das mit­reißende Scherzo aus der Großen Sin­fo­nie in C-Dur D 944 von Franz Schu­bert mit George Szell am Pult des Cleve­land Orches­tra. Wer Lust auf einen ge­pfleg­ten Klassik-Abend hat – nicht im Hinter­grund, sondern be­wusst ge­hört –, fin­det auf der Ergänzungs­liste die ge­samte Sin­fo­nie!

Am Mitt­woch, dem 2. April 1800, heu­te 223 Jah­ren, ver­an­stal­te­te Lud­wig van Beet­hoven (1770–1827) in Wien auf ei­ge­ne Rech­nung sein ers­tes Konz­ert, was man da­mals im Sin­ne einer gesell­schaft­lichen Zu­sammen­kunft „Aka­de­mie“ nannte: Er im­pro­vi­sier­te aus­führ­lich am Kla­vier – Beet­hoven konn­te eine Stun­de und län­ger frei Kla­vier spie­len –, er trug sein 1. Klavier­kon­zert vor und brach­te zwei neue Wer­ke zur Ur­auf­füh­rung, näm­lich sein Sep­tett Es-Dur op. 20 und seine 1. Sin­fo­nie C-Dur op. 21.
In den acht Jah­ren seit sei­ner Über­siedlung von Bonn nach Wien hat Beet­hoven bei Haydn und an­de­ren Kom­posi­tions­unter­richt ge­nommen und Klavier- und Kammer­musik ge­schrie­ben. Vor al­lem aber mach­te er sich als Klavier­vir­tu­ose in den Wie­ner Sa­lons einen Na­men. Er nahm sich Zeit, bis er die Rei­fe spür­te, um die große Form der Sin­fo­nie musika­lisch aus­fül­len zu kön­nen. Mit der Tonart C-Dur knüpft er selbst­be­wusst an Mozarts letzte Sin­fo­nie an, die später Jupiter-Sin­fo­nie ge­nannt wur­de. Auch wenn „Neu­heit und Reich­thum an Ideen“ seiner­zeit ge­rühmt wur­den, setzt Beet­hoven ei­ge­ne Ak­zen­te: Mit dem har­mo­nisch ge­wag­ten An­fang hat er die Zeit­ge­nos­sen irri­tiert, die Bläser tre­ten mehr her­vor, die Ins­tru­men­ta­tion war an­ders als üb­lich usw. – ohne dass es je­mand ahn­te, kündigt sich eine Ent­wick­lung an, die 24 Jahre spä­ter mit der 9. Sin­fo­nie ihren un­begreif­lichen Höhe­punkt fand.
Hören wir auf der heu­ti­gen Klassik­liste den stah­len­den 1. Satz aus Beet­hovens Sin­fo­nie Nr. 1 C-Dur op. 21. Es spielt das Cleve­land Or­ches­tra unter Lei­tung des öster­reichisch-unga­ri­schen Diri­gen­ten George Szell (1897–1970) in einer re­master­ten Auf­nahme aus dem Jahr 1960. Auf der Ergänzungs­liste gibt es wie­der die ge­samte Sin­fo­nie zu hö­ren.