Ein wunderschönes Instrument ist hier noch nie solistisch zu Gehör gekommen, und heute gibt es einen passenden Anlass dafür: Mozart war Ende August 1791 in Prag, denn dort wurde am 6. September anlässlich der Krönung von Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen seine Oper La clemenza di Tito KV 621 uraufgeführt. Dabei traf er Anton Stadler (1753–1812), den führenden Klarinettisten der Zeit, und Mozart versprach, für ihn ein Konzert zu schreiben. Er reiste zurück nach Wien, um Die Zauberflöte KV 620 fertigzustellen, die am 30. September uraufgeführt werden sollte. Danach komponierte er in wenigen Tagen für Stadler das Klarinettenkonzert, das am 8. Oktober fertig wurde. Binnen einer Woche mussten nun – natürlich von Hand – die Orchesterstimmen ausgeschrieben werden, damit das Notenpaket per Postkutsche nach Prag transportiert werden konnte. Viel Zeit blieb nicht zum Üben, die Musiker dürften es fast vom Blatt gespielt haben, als es bei einem Benefizkonzert in Prag am 16. Oktober 1791 – heute vor 231 Jahren, auch damals ein Sonntag – zum ersten Mal erklang. Niemand wusste, dass Mozart keine acht Wochen mehr hatte. Er komponierte noch zwei kleinere Werke und begann das Requiem, bevor er überraschend starb, siehe #80.
Hören wir auf der Klassikliste heute das wunderbare Adagio, also den langsamen Satz aus dem Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 von Wolfgang Amadé Mozart, das mit einer seiner schönsten und bekanntesten „Melodien“ beginnt. Die Klarinette trägt das Thema vor, das Orchester wiederholt es. Wir hören den Österreicher Wenzel Fuchs (geb. 1963), seit 1993 Solokarinettist der Berliner Philharmoniker, hier begleitet von der Cappella Istropolitana unter Leitung von Bernhard Sieberer.
Auf der Ergänzungsliste ist das gesamte Klarinettenkonzert zu finden.
