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Heute wäre Jo­han­nes Brahms (1833–1897) 190 Jahre alt ge­wor­den. Aus diesem An­lass hören wir auf der Klassik­liste aus sei­ner hei­te­ren Sin­fo­nie Nr. 2 D-Dur op. 73 den wunder­baren 3. Satz Alle­gret­to gra­zio­so. Es spie­len die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker unter Lei­tung von Clau­dio Abba­do. Bei der Ur­auf­füh­rung 1877 war das Publi­kum in Wien so be­geis­tert, dass die­ser Satz so­gar wieder­holt wer­den muss­te. Brahms schrieb an sei­nen Ver­le­ger: „Das Or­ches­ter hier hat mit einer Wol­lust ge­übt und ge­spielt und mich ge­lobt, wie es mir noch nicht pas­siert ist!“
Der Musik­kri­ti­ker Edu­ard Hans­lick (1825–1904) schrieb: „Brahms’ neue Sym­pho­nie leuch­tet in ge­­sun­der Fri­sche und Klar­heit; […] Allent­halten zeigt sie neue Ge­danken und doch nir­gends die lei­di­ge Ten­denz, Neues im Sinne von Un­er­hör­tem her­vor­bringen zu wol­len. […] Als ein un­be­sieg­barer Be­weis steht dies Werk da, daß man (frei­lich nicht jeder­mann) nach Beet­hoven noch Sym­pho­nien schrei­ben kann […].“ Im „Musik­streit des 19. Jahr­hun­derts“ war das die Posi­tion der so­ge­nann­ten Brahm­si­aner, die mein­ten, dass Musik kei­nes außer­musika­li­schen Pro­gramms be­dür­fe, son­dern als ab­so­lu­te Mu­sik für sich ste­he. Richard Wag­ner und die Wag­ne­ria­ner hiel­ten das für eine Fehl­ent­wick­lung, sie sahen die Zu­kunft im Musik­drama mit einem außer­musi­ka­li­schen Pro­gramm. Wagner kri­ti­sier­te an Brahms eine „ge­wisse zähe Me­lo­dik“ und läs­ter­te über „klein­li­ches Melo­dien-Häcksel“. Über die­se Kontro­ver­se kön­nen wir heu­te nur irri­tiert die Stirn run­zeln.
Auf der Ergänzungs­liste gibt es wie immer die ge­samte Sin­fo­nie, die meine Frau 1988/89 in ihrem ersten Se­mes­ter in der Stu­denten­phil­har­mo­nie ge­spielt hat – und unse­re Toch­ter ge­nau 30 Jahre spä­ter.