Der dritte der drei großen deutschen Komponisten im Barock, Georg Philipp Telemann (1681–1767), war damals mit Abstand der berühmteste Komponist Mitteleuropas. Aufgrund seines langen Lebens und seiner immensen Schaffenskraft gilt er mit ca. 3600 Werken als produktivster Komponist der europäischen Musikgeschichte. Später hat man ihm genau das vorgeworfen: Vielschreiberei, Schablonenhaftigkeit, mangelnde Ernsthaftigkeit, ja sogar „Fabrikwaare“ und Oberflächlichkeit – und anderen Unsinn. Die Verehrer Bachs waren sehr überrascht, als sich herausstellte, dass Bach eine hochgeschätzte Kantate vollständig von Telemann abgeschrieben hatte. Inzwischen werden seine Originalität und seine Bedeutung anerkannt. Er beherrschte und verband verschiedene europäische Musikstile, öffnete sich – anders als Bach – dem empfindsamen bzw. galanten Stil des 18. Jahrhunderts und wies damit den Weg in die Frühklassik.
Hören wir heute auf der Klassikliste den 1. Satz Adagio – Allegro aus Telemanns Trompetenkonzert D-Dur TWV 51:D7. Es spielt das Philharmonia Orchestra unter Leitung von Riccardo Muti. Solist ist der Franzose Maurice André (1933–2012), der größte klassische Trompeter des 20. Jahrhunderts. Er lernte als 14-Jähriger Trompete, absolvierte zunächst eine Lehre als Bergmann, aber sein außergewöhnliches Talent brachte ihn ans Conservatoire de Paris. Er gewann zahlreiche Preise, wurde zum führenden Trompeter und konzertierte in der ganzen Welt. Heute wäre André 90 Jahre alt geworden. Auf der Ergänzungsliste findet sich das gesamte Trompetenkonzert von Telemann.
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Heute hören wir auf der Klassikliste die Arie „Freude, Freude über Freude“ aus der Osterkantate „Der Sieg ist da“ GWV 1128/43 von Christoph Graupner. Es singt der Tenor Sebastian Hübner, begleitet vom Barockorchester Pulchra musica unter Leitung von Christian Bonath.
Christoph Graupner (1683–1760) wurde im sächsischen Kirchberg geboren und an der Thomasschule in Leipzig ausgebildet, wo er Jura und dann Musik bei den Thomaskantoren Schelle und Kuhnau studierte. 1705 wurde er Cembalist im Opernorchester Hamburg, bevor er 1709 am Hof in Hessen-Darmstadt eine Anstellung fand. Dort stieg er zwei Jahre später zum Hofkapellmeister auf, ein Amt, das er fast bis an sein Lebensende innehatte. 1722 bewarb er sich auf Empfehlung Telemanns, der selbst abgesagt hatte, auf die Stelle des Thomaskantors in Leipzig, aber sein Dienstherr, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, ließ ihn nicht gehen. So musste man sich in Leipzig mit der dritten Wahl zufriedengeben, die Stelle erhielt dann eben – Johann Sebastian Bach.
Graupner war mit ca. 2000 Werken einer der produktivsten Komponisten der Geschichte: Er hinterließ acht Opern, über 1400 Kantaten, 113 Sinfonien, 80 Orchestersuiten, 44 Solokonzerte, 30 Klaviersuiten und vieles mehr. Durch verschiedene Umstände sind seine Werke annähernd vollständig erhalten – aber gleichzeitig zum größten Teil unveröffentlicht.
Auf der Ergänzungsliste ist die gesamte Kantate zu hören, die am Ostersonntag 1743, heute vor 280 Jahren, aufgeführt wurde.
